Medizinisches Cannabis – Anwendungen und Rechtslage

Nur zögerlich hat sich im deutschen Recht die Auffassung durchgesetzt, dass Cannabis ein legitimes Mittel zur Therapie von Krankheiten sein kann. Den Weg dafür öffnete 2005 nicht die Politik, sondern ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, das ein öffentliches Interesse am Zugang zu medizinischem Cannabis feststellte. Seither wurden die zulässigen Darreichungsformen und  Anwendungsgebiete – wenn auch nur langsam – erweitert. Von einem Dammbruch, wie er in vielen Bundesstaaten der USA in den letzten Jahren mit der Legalisierung von Cannabis zu medizinischen oder auch zu Freizeitzwecken stattfand, ist Deutschland derzeit noch weit entfernt. Allerdings hat auch die Bundesrepublik 2019 erste Schritte zum Einstieg in das Geschäft mit der Hanfpflanze gewagt. Seither ist auch der Anbau von medizinischem Cannabis im Inland einigen lizenzierten Unternehmen erlaubt. Aber wofür genau ist die Therapie mit Cannabis eigentlich geeignet? Und wie sieht die Rechtslage für Patienten konkret aus?

Fertigarzneien und Blütenmaterial

Schon seit 2011 dürfen in Deutschland cannabishaltige Fertigarzneimittel wie das Mundspray Sativex auf ärztliches Rezept an Patienten abgegeben werden. Erst seit 2017 können Ärzte medizinisches Cannabis auch in der Form von getrocknetem Blütenmaterial verschreiben. Das eröffnet den Patienten eine Vielfalt von Anwendungsmöglichkeiten. Am Beliebtesten dürfte wohl auch bei medizinischem Cannabis der Konsum in der Form eines Joints sein. Um eine schnellere Wirkung zu erzielen, ist aber auch der Einsatz von speziellen Wasserpfeifen, den sogenannten Bongs möglich. Dabei handelt es sich um Röhren aus Glas oder Keramik, in denen der Rauch durch Wasser gekühlt wird. Solches Zubehör wird allerdings eher im Webshop von Zamnesia bestellt als in der Apotheke gekauft. Schließlich wird Cannabis auch gerne in Kekse oder Brownies eingebacken. Bei dieser Methode kann zwar eine längere Wirkdauer erzielt werden, allerdings ist auch die Dosierung deutlich schwieriger.

Anwendungsgebiete

Grundsätzlich haben Ärzte in Deutschland seit 2017 völlige Freiheit, für welche Art von schwerwiegender Erkrankung sie Cannabis verschreiben. Sie müssen allerdings von einem wahrscheinlichen Nutzen der Behandlung überzeugt sein. Im Ermessen verschiedener Mediziner gibt es dabei große Unterschiede. Der häufigste Grund für die Verschreibung von medizinischem Cannabis ist ersten Erhebungen zu Folge aber chronischer Schmerz. Des weiteren bekommen auch Patienten mit neurologischen Krankheiten wie Epilepsie oder Tourette häufig die grünen Blüten verordnet. Oft wird Cannabis auch eingesetzt, um die Nebenwirkungen herkömmlicher Medikamente zu lindern. So erhalten Krebs- und AIDS-Patienten oft Cannabis, um die Übelkeit zu verringern, die durch ihre Therapie verursacht wird. Es ist anzunehmen, dass in der Zukunft auch weitere Anwendungsfelder dazukommen, wenn die Forschung zu dem Thema weiter vorangeschritten ist.

Starke Auflagen bei der Beschaffung

Der Großteil medizinischer Hanfprodukte wird in Deutschland nach wie vor aus dem Ausland importiert. Mehrere dutzend Tonnen überqueren auf diese Art jedes Jahr die deutsche Grenze. Patienten dürfen die Produkte ausschließlich über die Apotheke beziehen. Der Anbau für den Eigenbedarf ist nach wie vor verboten, obwohl dadurch nicht nur der Geldbeutel der Patienten sondern auch die Krankenkassen erheblich entlastet würden. Derzeit wandern jährlich Krankenkassenbeiträge in Millionenhöhe in die Taschen der Produktionsfirmen. Allerdings hat der Verkauf in der Apotheke auch deutliche Vorteile gegenüber der Beschaffung auf der Straße. Denn so kann zumindest die Reinheit der Produkte garantiert werden.