Blaualge Spirulina: Die Wunderwaffe der Zukunft?

Spirulina AlgenSpirulina ist ein Powerpaket an Wirk- und Nährstoffen. Dass an dieser Aussage tatsächlich etwas dran ist, beweist die Raumfahrt. Bei NASA und ESA (European Space Agency) ist nämlich keine geringere als Spirulina im Gespräch, als Nahrungsmittel und Lieferant wichtiger Vitalstoffe für Raumfahrer auserkoren zu werden. Auf einfache Art lässt sich damit der Bedarf an fast allen lebensnotwendigen Nährstoffen decken. Länder wie Russland, Japan, Frankreich und die USA beschäftigen sich intensiv in Studien mit Spirulina. Deutschland hängt da leider ein wenig hinterher. Hier wird dem Superfood weder in der medizinischen noch in der pharmazeutischen Fachliteratur viel Beachtung geschenkt.

Was ist Spirulina und woher kommt sie

Spirulina platensis, so der wissenschaftliche Name, ist eine blaugrüne Mikroalge. Sie zählt zu den so genannten Cyanobakterien, die auch Blaualgen heißen. Es handelt sich um eines der ersten grünen Lebewesen der Erde. Schon die Azteken kannten sie und nutzten sie als gesundes Nahrungsmittel. Die Alge wächst vor allem in salzhaltigem, alkalischem Wasser. Wilde Vorkommen findet man vor allem in Zentral- und Ostafrika, wo sie traditionell noch als Lebensmittel verzehrt werden. Übrigens mögen auch Flamingos die Alge sehr gerne, und ihr schönes rotes Gefieder bekommen sie durch deren Inhaltsstoffe. Für die Herstellung moderner Spirulina-Präparate werden die Algen in Wasserfarmen angebaut. Sie wachsen sehr gut ohne organische Düngemittel oder chemische Stickstoffdünger. Sie binden viel CO2 (Kohlenstoffdioxid) und stoßen keine klimawirksamen Gase aus, sind also äußerst umweltfreundlich zu kultivieren.

Welche Inhaltsstoffe machen Spirulina so wertvoll?

Eine Vielzahl an wertvollen Inhaltsstoffen führt dazu, dass die Alge dem Organismus eine Menge Gutes tun kann. In ihrer Gesamtheit wirken sie wie ein Kraftpaket, deren Anwendung viel zu einer guten Nährstoffversorgung beitragen. Im Einzelnen:

Eiweiß

Alle 8 essentiellen Aminosäuren und 10 von 12 nicht-essentiellen Aminosäuren stecken in der Alge. Besonders daran ist, dass sie in einer gut resorbierbaren, also vom Organismus optimal aufnehmbaren, Form vorliegen.

Fettsäuren

Die Blaualge wartet mit einer beeindruckenden Menge an gesättigten, ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf. Dazu gehören Linolsäure (Omega 6) und Gamma-Linolensäure (GLA). Das sind essentielle Nährstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann.

Vitamine

Hervorzuheben sind beim Vitamingehalt der Spirulina insbesondere die Vitamine des B-Komplexes: B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5 (Panthothensäure) B6 (Pyridoxin) und B12 (bioaktives Cobalamin). Da Vitamin B12 nur in wenigen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten ist, können sich vor allem Veganer und Vegetarier durch Verwendung der Alge damit versorgen. Dazu bringt die Alge noch das Provitamin A (Beta-Carotin), Vitamin K (Phyllochinon) und weitere Vitamine mit.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Die Palette an Mineralien und Spurenelementen ist ebenfalls beeindruckend. Chrom, Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan, Phosphor, Selen, Zink gehören dazu. Sie garantieren den reibungslosen Ablauf zahlreicher Funktionen unseres Organismus.

Ballaststoffe und anderes

Neben den für unsere Verdauung wichtigen Ballaststoffen ist noch ein weiterer Inhaltsstoff der Blaualge hervorzuheben: das Chlorophyll. Dieser Pigmentfarbstoff ähnelt dem menschlichen Blutfarbstoff in seinem chemischen Aufbau und wird deshalb „grünes Blut der Pflanze“ genannt. Auch mit wichtigen Enzymen, die unsere Nahrung in kleine, vom Körper verwertbare Einheiten aufspalten, kann die Alge punkten.

Was die Blaualge Spirulina alles kann

Der hochdosierte Vitalstoffreichtum von Spirulina platensis macht sie zu einem Nahrungsergänzungsmittel, das sich auf verschiedenste Bereiche positiv auswirken kann. Das gilt allgemein bei einem schlechten Ernährungsstatus. Deswegen ist es auch denkbar, dass sie eine zunehmende Rolle bei der Welternährung einnehmen könnte: Sie kann platzsparend weltweit auch unter schwierigen Umgebungsbedingungen angebaut werden. Aber auch der gezielte Einsatz ist möglich.

Fitness und Vitalität

Wie ein Forschungsergebnis zeigt, können die Inhaltsstoffe der Algen für mehr Vitalität und Fitness sorgen. Sie besitzen ergogene Wirkung, steigern also die sportliche Leistungsfähigkeit. Wie die Fachzeitschrift „Medicine and Science in Sports and Exercise“ 2010 berichtet, ist nach nur 4 Wochen eine 10%ige Leistungssteigerung bei verkürzter Erholungsphase möglich. (1)

Schlanker werden und bleiben

Es heißt, die Alge könnte auch ein probates Hilfsmittel beim Abnehmen sein. Da Ballaststoffe die Verdauung anregen und zusammen mit viel Eiweiß gut sättigen, kann in Rahmen einer kalorienreduzierten Diät nicht nur die Nährstoffversorgung gesichert, sondern auch das Sättigungsgefühl verbessert werden. Zudem sorgt die Aminosäure Tyrosin für eine Unterdrückung des Hungerzentrums im Hypothalamus. Heißhunger tritt also weniger auf. Die Alge selbst kann mit einem Kaloriengehalt von nur 36 kcal je 100 Gramm bei der Energiebilanz vernachlässigt werden.

Schöne Haut und junges Aussehen

Die Inhalts- und Wirkstoffe von Spirulina haben eine zellschützende Wirkung, die unter anderem durch den hohen Chlorophyllgehalt erklärt werden kann. Er stimuliert die roten Blutkörperchen und regt die Zellatmung durch erhöhten Sauerstofftransport an. Zellen können so regeneriert werden und ihr Alterungsprozess verlangsamt sich.

Gift aus dem Körper schleusen

Der Alge wird schwermetallausleitende Wirkung nachgesagt, die von naturheilkundlich orientierten Medizinern und Heilpraktikern genutzt wird. In der alternativen Zahnheilkunde wird sie zur Amalgam-Sanierung eingesetzt.

Starkes Immunsystem mit Spirulina

Die Alge wirkt sich erwiesener Maßen positiv auf das Immunsystem aus und steigert die Anzahl der natürlichen Killerzellen. (2) Wegen der antioxidativen Wirkung ist sie ein guter Radikalfänger. Studien weisen zudem auf eine deutliche antivirale Wirkung hin, die unter anderem durch das Kalium gesteuert wird. Beispielsweise können Spirulinapräparate gegen Herpes-Viren, die vor allem bei geschwächtem Immunsystem aktiv werden, helfen. (3)

Mit Spirulina gegen Entzündungen

Mit der antioxidativen Wirkung ist auch eine antientzündliche verbunden. Radikalfänger wie Vitamin C und E, Beta-Carotin, Selen und sekundäre Pflanzenstoffe wirken gegen entzündungsfördernde Oxidationsprozesse. Diese Entzündungsprozesse wiederum sind verantwortlich für viele Erkrankungen.

Spirulina gegen Heuschnupfen

Im Jahr 2005 zeigte eine randomisierte klinische Doppelblind-Studie, dass die regelmäßige Einnahme der Alge einen positiven Einfluss auf allergische Rhinitis (Heuschnupfen) haben kann. Nach einer 12-wöchigen Einnahme konnte eine signifikante Besserung festgestellt werden. (4) Sogar eine anaphylaktische Reaktion kann gegebenenfalls unterbunden werden, wie Versuche mit Ratten schon 1997 nahe legten. (5)

Wie wird Spirulina verwendet?

Spirulina wird als Nahrungsergänzungsmittel überwiegend in Pulverform oder als Kapsel bzw. Pressling angeboten. Die bisherigen klinischen Studien werden von den maßgeblichen Organisationen – WHO, E/ESCOP und HMPC – nicht als hinreichend aussagekräftig für eine Einstufung als Arzneimittel bewertet. Als Nahrungsergänzungsmittel die Alge beispielsweise (in Pulverform) Säften, Smoothies, Desserts oder Gemüsegerichten zugesetzt werden. Kapseln und andere Präparate werden nach Packungsbeilage dosiert und mit Flüssigkeit eingenommen.

Welche Nebenwirkung kann Spirulina haben?

Wo eine Wirkung, da auch eine Nebenwirkung. Gerade bei pflanzlichen Lebensmitteln und Präparaten sind individuelle Unverträglichkeiten nie ausgeschlossen. Generell gilt aber für Spirulina platensis: Die Alge ist gut verträglich und Nebenwirkungen sehr selten. Sogar für Kinder ist sie laut WHO und nach Ansicht der Vereinten Nationen unbedenklich.

Einiges ist jedoch zu beachten. Die Blaualge verfügt über einen hohen Vitamin K-Gehalt. Das könnte unter Umständen die Wirkung von Blutgerinnungshemmern beeinflussen. Auch Cholesterinsenker könnten in ihrer Wirkung verstärkt werden. Hier sollte Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Vor allem aber könnten Nebenwirkungen durch Verunreinigungen der Ware entstehen. Die schwermetallbindende Wirkung der Alge hat nämlich einen „eingebauten“ Nachteil: Sie kann selbst belastet sein, wenn sie in belasteten Gewässern wächst. Es sollte also beim Kauf von Spirulina-Präparaten penibel darauf geachtet werden, dass es sich um zertifizierte Bio-Ware handelt. Auch Füll- und andere künstliche Zusatzstoffe sollten nicht enthalten sein. Auf keinen Fall sollten die Algen vor der Verarbeitung radioaktiv bestrahlt worden sein.

Fazit
Viele Eigenschaften – über die beschriebenen hinaus – werden der Blaualge noch zugeschrieben: abwehrstärkend, stoffwechselfördernd, energetisierend, leberregenerierend, zellschützend, kreislauffördernd, schmerzlindernd und manches mehr. Einige dieser Wirkungen sind inzwischen durch Studien mehr oder weniger belegt. Ob die Alge eine Wunderwaffe ist, wie Marianne E. Meyer in ihrem Spirulina-Buch (6) andeutet, muss noch durch viele Studien geklärt werden. Bis dahin sind und bleiben Spirulina-Präparate Nahrungsergänzungsmittel, deren Anwendung mit wertvollen Nährstoffen versorgt.

Quellen:

(1) Kalafati M et al.: Ergogenic and antioxidant effects of spirulina supplementation in humans. 2010

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20010119

(2) Hirahashi T et al.: Activation of the human innate immune system by Spirulina: augmentation of interferon production and NK cytotoxicity by oral administration of hot water extract of Spirulina platensis. 2002

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11962722

(3) Hernández-Corona A et al.: Antiviral activity of Spirulina maxima against herpes simplex virus type 2. 2002

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12406511

(4) Mao TK et al.: Effects of a Spirulina-based dietary supplement on cytokine production from allergic rhinitis patients. 2005

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15857205

(5) Yang HM et al.: Spirulina platensis inhibits anaphylactic reaction. 1997

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9324065

(6) Marianne E. Meyer: Spirulina – Das blaugrüne Wunder. Windpferd-Verlag